Praxisempfehlungen nach den Grundsätzen der Unfallkassen
Wenn die Temperaturen steigen, verlagert sich der Kita-Alltag fast automatisch nach draußen. Für Kinder ist das eine wunderbare Zeit: Sie laufen barfuß, spielen mit Wasser, entdecken die Natur und sind stundenlang in Bewegung. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an Dich und Dein Team. Hitze, UV-Strahlung und typische Unfallquellen im Außengelände bringen neue Risiken mit sich.
Die Unfallkassen betonen in ihren Empfehlungen immer wieder: Ein sicherer Sommer braucht klare Regeln, gut durchdachte Abläufe und eine aufmerksame, vorausschauende Aufsicht. Dabei geht es nicht darum, den Kindern etwas zu verbieten – sondern darum, ihnen sichere Freiräume zu ermöglichen.
Barfuß laufen – gut für Kinder, aber nicht überall
Viele Kinder möchten im Sommer am liebsten den ganzen Tag ohne Schuhe unterwegs sein. Und das hat durchaus Vorteile: Barfußlaufen stärkt die Fußmuskulatur, fördert die Wahrnehmung und unterstützt die motorische Entwicklung.
Trotzdem braucht es klare Grenzen. Denn nicht jede Fläche im Außengelände ist dafür geeignet. Auf gepflegten, regelmäßig kontrollierten Flächen wie Rasen oder im Sandbereich ist Barfußlaufen in der Regel unproblematisch.
Anders sieht es auf Wegen, bei der Nutzung von Fahrzeugen (Dreirad, Roller und Co.) oder in schlecht einsehbaren Bereichen aus. Dort können kleine Steine, Holzsplitter oder andere Gefahren schnell zu Verletzungen führen.
Auch beim Klettern oder Rutschen sollten Kinder nicht barfuß unterwegs sein, da sie leichter abrutschen oder sich verletzen können. In der Praxis bewährt es sich, feste Regeln einzuführen: Es gibt definierte Bereiche, in denen barfuß gelaufen werden darf – und andere, in denen Schuhe notwendig sind. So bleibt die Freiheit erhalten, ohne das Risiko unnötig zu erhöhen.
Praxis-Tipp: Lege klare „Barfuß-Zonen“ fest, z. B. Sandkasten oder Wasserspielbereich. Außerhalb gilt: Schuhe an!
Hitzegefahr auf Spielgeräten
Ein Thema, das oft unterschätzt wird, sind aufgeheizte Spielgeräte. Metallflächen oder dunkle Kunststoffe können sich so stark erhitzen, dass bereits kurze Berührungen schmerzhaft sind. Besonders Rutschen, Kletterstangen oder Sitzflächen sind betroffen.
Im Alltag bedeutet das vor allem eines: genau hinschauen und regelmäßig prüfen. Ein kurzer Handtest reicht oft aus, um zu merken, ob ein Gerät noch genutzt werden kann. Wenn es sich für Dich zu heiß anfühlt, ist es für Kinder erst recht ungeeignet.
Hilfreich ist es, die Nutzung bestimmter Geräte zeitlich zu steuern und bewusst auf die kühleren Morgenstunden zu legen. Zusätzlich können Schattenplätze durch Bäume oder Sonnensegel einen großen Unterschied machen. Manche Einrichtungen kühlen stark erhitzte Flächen auch vorsichtig mit Wasser – wobei hier immer geprüft werden muss, ob das Material dafür geeignet ist.
Praxis-Tipp: Wenn Du das Gerät nicht anfassen kannst, können Kinder es erst recht nicht benutzen.
Sonnenschutz beginnt im Alltag – nicht erst bei Sonnenbrand
Die größte gesundheitliche Belastung im Sommer ist oft nicht die Hitze an sich, sondern die UV-Strahlung. Kinderhaut ist besonders empfindlich, weshalb ein konsequentes Schutzkonzept entscheidend ist.
Ein wichtiger Faktor ist die Tagesstruktur. Aktivitäten sollten möglichst in die Vormittagsstunden gelegt werden, während die intensive Mittagssonne gemieden wird. Gleichzeitig braucht es ausreichend Schattenbereiche, die von allen Kindern gut erreichbar sind – nicht nur theoretisch vorhanden.
Mindestens genauso wichtig ist der persönliche Schutz. Sonnenhüte mit Nackenschutz und leichte Kleidung sind heute in vielen Kitas Standard. Doch auch das Eincremen gehört fest zum Tagesablauf. Idealerweise passieren diese Routinen nicht „nebenbei“, sondern werden bewusst eingeplant – zum Beispiel vor dem ersten Gang nach draußen und bei längeren Aufenthalten erneut.
Hier ist eine gute Abstimmung im Team entscheidend: Wer achtet darauf, dass jedes Kind eingecremt ist? Wann wird nachgecremt? Solche Fragen sollten klar geregelt sein, damit im Alltag nichts untergeht.
Praxis-Tipps:
- Morgens kommen die Kinder eingecremt in die Einrichtung, das Nachcremen u
- UV-Belastung überwachen (z.B. mit der Sunsmart-App) und Regeln festlegen. Vorschlag: bei UV-Werten zwischen 6 und 8 – keine körperlich anstrengenden Aktivitäten und bei UV-Werten über 8 – keine Aktivitäten im Freien
Ausreichend trinken – eine der wichtigsten Sommerregeln
Bei all den sichtbaren Gefahren wird ein Thema häufig unterschätzt: das Trinken. Gerade bei warmem Wetter verlieren Kinder schnell Flüssigkeit, ohne dass sie selbst rechtzeitig merken, dass sie Durst haben.
Deshalb reicht es nicht, Getränke einfach bereitzustellen. Kinder brauchen im Sommer aktive Erinnerung und Begleitung. Regelmäßige Trinkpausen sollten fest in den Tagesablauf integriert sein. Besonders nach intensiver Bewegung oder längerem Spielen in der Sonne ist es wichtig, dass alle Kinder etwas trinken.
Praxis-Tipps: Hilfreich ist es, feste Rituale zu schaffen: gemeinsames Trinken vor dem Rausgehen, nach bestimmten Aktivitäten oder zu festen Zeiten. So wird Trinken nicht vergessen, sondern als selbstverständlicher Teil des Alltags erlebt.
Wasserspiele – viel Freude, aber klare Regeln
Wasser zieht Kinder im Sommer magisch an. Ob Planschbecken, Wasserrinnen oder einfach ein Gartenschlauch – die Möglichkeiten sind vielfältig. Gleichzeitig gilt hier besondere Vorsicht, denn selbst kleine Wassermengen können Risiken bergen.
Deshalb steht die Aufsicht immer an erster Stelle. Wasserstellen dürfen nie unbeaufsichtigt sein, auch wenn sie noch so harmlos wirken. Nach der Nutzung sollten sie gesichert oder geleert werden.
Neben der Sicherheit spielt auch Hygiene eine wichtige Rolle. Wasser in Plantschbecken mindestens einmal täglich wechseln, damit sich keine Keime bilden. Rutschige Flächen durch spritzendes Wasser sind ebenfalls ein häufiges Problem. Klare Regeln – etwa kein Rennen im Wasserspielbereich – helfen, Unfälle zu vermeiden.
Wenn Wasserspiele zeitlich begrenzt und gut begleitet werden, sind sie eine wunderbare Abkühlung und bereichern den Sommeralltag enorm.
Praxis-Tipp: Führe feste „Wasserspielzeiten“ ein – so bleibt die Situation überschaubar.
Aufsicht im Außengelände – besonders bei viel Raum eine Herausforderung
Je größer und abwechslungsreicher ein Außengelände ist, desto höher sind die Anforderungen an die Aufsicht. Kinder verteilen sich, ziehen sich in unterschiedliche Bereiche zurück und sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.
Deshalb ist es wichtig, die Aufsicht bewusst zu organisieren. Es reicht nicht, einfach „draußen zu sein“. Vielmehr braucht es klare Absprachen im Team: Wer hat welchen Bereich im Blick? Wo könnten sich unübersichtliche Stellen befinden? Wie wird sichergestellt, dass alle Kinder wahrgenommen werden?
Aufsicht bedeutet auch, sich aktiv zu bewegen, den Standort zu wechseln und Situationen immer wieder neu einzuschätzen. Besonders bei risikoreicheren Aktivitäten – wie Klettern, Rennen oder Wasserspielen – ist eine engere Begleitung erforderlich als beim freien Spiel im Sand.
Fazit: Sicherheit entsteht durch Aufmerksamkeit und klare Strukturen
Ein gelungener Sommertag in der Kita ist geprägt von Leichtigkeit, Bewegung und Entdeckungsfreude. Damit das so bleibt, braucht es im Hintergrund klare Regeln und eine gut organisierte Praxis.
Ob Barfußlaufen, Sonnenschutz, ausreichendes Trinken oder der sichere Umgang mit Wasser – viele Risiken lassen sich mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen nicht nur theoretisch bekannt sind, sondern im Alltag verlässlich umgesetzt werden.
Wenn das gelingt, entsteht genau das, was wir uns für Kinder wünschen: eine Umgebung, in der sie den Sommer genießen können – sicher, gesund und mit ganz viel Freude am Draußensein.










