Die jüngsten Berichte über Asbestfunde in Spielsand haben viele Kitas, Eltern und Träger aufgeschreckt. Auch wenn die Fälle bislang Einzelfälle zu sein scheinen, rufen sie uns eindringlich in Erinnerung, wie wichtig sichere Materialien im Alltag der Kindertageseinrichtungen sind. Asbest ist ein Stoff, der in der EU zwar seit Jahren verboten ist – aber bei Recyclingmaterialien oder unsauberen Lieferketten trotzdem vereinzelt auftauchen kann. Für Kinder bedeutet das: höchste Vorsicht.
Das Thema zeigt, wie wesentlich es ist, Materialien – egal ob drinnen oder draußen – bewusst auszuwählen, zu prüfen und im Alltag aufmerksam zu begleiten. Genau hier setzt die DGUV Vorschrift 82 „Kindertageseinrichtungen“ an. Sie bildet den rechtlichen Rahmen rund um Sicherheit in Kitas.
Was sagt die DGUV Vorschrift 82 zu Spielmaterial?
Die DGUV Vorschrift 82 verpflichtet den Träger, nur solches Material zur Verfügung zu stellen, das sicher, funktionsfähig und gesundheitlich unbedenklich ist. Für Spiel- und Beschäftigungsmaterial bedeutet das:
Spielmaterial darf Kinder nicht gefährden
Dazu gehört u. a.:
- keine scharfen Kanten
- keine verschluckbaren Kleinteile bei U3Kindern
- keine strangulationsgefährdenden Schnüre
- keine bruchanfälligen Materialien
- keine giftigen oder gesundheitsschädlichen Stoffe
Gerade im Lichte der aktuellen Asbestmeldungen wird klar, was die Vorgabe „gesundheitlich unbedenklich“ bedeutet – und wie wichtig es ist, Lieferketten, Hersteller und Zertifizierungen zu kennen.
Regelmäßige Kontrolle ist Pflicht
Kitas müssen sicherstellen, dass:
- Spielmaterial laufend überprüft wird
- defekte oder verdächtige Gegenstände sofort entfernt werden
- Beschäftigte wissen, welche Materialien kritisch sein können
Beschäftigte müssen unterwiesen werden
Alle im Team müssen Gefährdungen erkennen können – egal ob es um brüchige Holzspielzeuge, verschluckbare Kleinteile oder potenziell belastete Materialien geht.
Empfehlungen der Unfallkassen: Sicheres Spiel- und Bastelmaterial im Gruppenraum
Die Plattform sichere-kita.de beschreibt sehr anschaulich, worauf pädagogische Fachkräfte achten sollten, wenn es um Spielmaterial geht. Diese Empfehlungen sind praxisnah und unmittelbar umsetzbar.
Sichere Auswahl: Qualität schlägt Quantität
✔ CE-Kennzeichnung
Sie ist Pflicht – aber kein Beweis für besondere Qualität. Sie zeigt nur: der Hersteller erklärt, dass das Produkt europäischen Anforderungen entspricht.
✔ GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“)
Ein unabhängiges Prüfinstitut bestätigt: Das Produkt erfüllt Sicherheitskriterien. Für Kitas ist dies besonders wertvoll.
✔ Alterskennzeichnungen beachten
Für Kinder unter drei Jahren gilt: Kein Material, das in einen Verschluckzylinder passt.
✔ Materialeigenschaften bewusst prüfen
- Holz muss splitterfrei und gut geschliffen sein
- Kunststoff sollte bruchfest und schadstoffarm sein
- Textilien sollten waschbar und schadstoffgeprüft sein (z. B. OEKOTEX)
✔ Vorsicht bei Magnetspielzeug
Die DGUV rät ab – die Gesundheitsgefahren beim Verschlucken sind erheblich.
Regelmäßige Prüfungen – entscheidend für echte Sicherheit
Die Unfallkassen empfehlen drei Stufen der Kontrolle:
🔍 Tägliche Sichtkontrolle – beim Betreten des Gruppenraums:
- ist etwas kaputt?
- fehlt ein Teil?
- wirkt etwas unsauber oder beschädigt?
🔧 Monatliche Funktionsprüfung – gründlicher Blick:
- sind Schrauben locker?
- zeigt ein Spielzeug Ermüdungserscheinungen?
- ist Kunststoff spröde geworden?
📋 Jährliche Sicherheitsprüfung
Inventarisieren, dokumentieren, reparieren oder entsorgen. Wichtig: Alles, was beschädigt ist oder Zweifel weckt, gehört sofort in eine Quarantänebox.
Bastelmaterialien: oft unterschätzt – aber wichtig für die Sicherheit

Auch Bastelmaterialien können riskant sein:
✔ Fingerfarben und Kleber müssen kindgerecht und DINkonform sein
Empfohlen: Norm DIN EN 71-7 für Fingerfarben.
✔ Scheren mit abgerundeten Spitzen
Für alle Altersstufen sinnvoll.
✔ Heißklebepistole nur durch Fachkräfte
Verbrennungsgefahr!
✔ Naturmaterialien vorab gründlich kontrollieren
Stöcke, Kastanien, Steine – alles kann splittern oder scharf sein.
„Mit Spaß und Sicherheit“: Was die DGUV besonders betont
Die DGUV macht auf kinderkinder.dguv.de deutlich: Sicherheit soll nicht bedeuten, dass Kinder weniger ausprobieren. Sondern: Gute Sicherheitsstandards ermöglichen erst das freie, mutige, kindliche Spiel.
Herausforderungen sind wichtig – aber sicher gestaltet
Klettern, balancieren, bauen, konstruieren: das alles gehört zur gesunden Entwicklung. Pädagogische Fachkräfte begleiten, unterstützen, sichern – ohne Kinder zu bremsen.
Ordnung schafft Sicherheit
Strukturierte Räume sind:
- sicherer
- übersichtlicher
- pädagogisch wertvoll
Kinder lernen:
- Verantwortung
- Materialpflege
- Selbstständigkeit
Gut strukturierte Spielbereiche minimieren Risiken
Dazu gehören:
- freie Laufwege
- sortierte Aufbewahrung
- gute Beleuchtung
- Lagerung von schweren Materialien unten und leichten oben im Regal
- Kleinteile in verschließbaren Kisten
Praktische Tipps, die Du sofort umsetzen kannst

✔ Erstelle eine Material-Checkliste
Einfach zu pflegen, aber sehr wirkungsvoll.
✔ Quarantänebox einführen
Damit defekte Gegenstände nicht versehentlich im Spiel landen.
✔ Regelmäßige Sicherheitsbegehungen
Mit dem „Sicherheitsblick“ unterwegs sein.
✔ Dokumentation nicht vergessen
Hilft bei Teamwechseln und in Unterweisungen.
✔ Qualität vor Menge wählen
Nachhaltiger und sicherer.
✔ Kinder einbeziehen
Ordnung und Materialpflege als pädagogisches Thema.
Fazit: Sicheres Spielmaterial ist unverzichtbar – besonders jetzt
Die aktuellen Meldungen zu Asbest im Spielsand zeigen uns deutlich, wie wichtig es ist, Materialien kritisch zu hinterfragen und regelmäßig zu prüfen. Ob Spielsand, Bausteine oder Bastelmaterial – Kitas tragen Verantwortung für sichere Bedingungen.
Mit der DGUV Vorschrift 82, den Empfehlungen der Unfallkassen und gut eingespielten Routinen im Team kannst Du sicherstellen, dass Kinder frei und unbeschwert spielen können – und genau das ist es doch, worum es in der Kita geht.










