Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, beginnt in vielen Kitas eine ganz besondere Zeit: Laternen werden gebastelt, Lieder geübt und Martins- oder Lichterfeste vorbereitet. Für Kinder sind diese Veranstaltungen oft ein echtes Erlebnis. Mit der selbst gebastelten Laterne durch die Dunkelheit zu ziehen, gemeinsam mit Freunden und Familie unterwegs zu sein und überall kleine Lichter zu entdecken, schafft Erinnerungen, die lange bleiben.
Für Dich als Kitaleitung oder pädagogische Fachkraft bedeutet ein Laternenumzug allerdings auch: Sicherheit muss von Anfang an mitgedacht werden.
Offenes Feuer, Dunkelheit, größere Gruppen, Straßenverkehr und möglicherweise viele begleitende Eltern kommen an diesem Abend zusammen. Hinzu kommen Laternen und Dekorationen aus Papier, Pappe und anderen Materialien, die teilweise leicht entflammbar sein können.
Die gute Nachricht: Mit einer sorgfältigen Vorbereitung lässt sich das Martins- oder Lichterfest sicher gestalten, ohne dass die besondere Atmosphäre verloren geht.
Kerze oder elektrisches Licht?
Für viele Erwachsene gehört die echte Kerze traditionell zur Laterne. Doch in einer Kindergruppe sollte nicht allein die Tradition darüber entscheiden, welche Lichtquelle verwendet wird.
Eine offene Flamme bringt zusätzliche Risiken mit sich. Eine Laterne kann beim Laufen ins Schwanken geraten und in Brand geraten. Papier, Stoff, Haare oder Kleidung können der Flamme zu nahe kommen. In einer dicht stehenden Gruppe lässt sich zudem nicht vorhersehen, wie sich Kinder in einer unerwarteten Situation bewegen.
Deshalb sind LED-Laternenstäbe beziehungsweise andere geeignete elektrische Laternenlichter für Kinder die deutlich risikoärmere Lösung.
Sie haben gleich mehrere Vorteile:
- keine offene Flamme,
- geringeres Brand- und Verbrennungsrisiko,
- kein heißes Wachs,
- unkomplizierte Handhabung für Kinder,
- auch bei Wind gut einsetzbar.
Wichtig ist trotzdem, elektrische Lichter vor dem Fest zu kontrollieren. Funktionieren sie zuverlässig? Sind Batteriefächer sicher verschlossen? Gibt es beschädigte Teile?
Eine kleine Materialkontrolle vor dem Umzug verhindert, dass plötzlich mitten auf dem Weg die Hälfte der Laternen dunkel bleibt.
Falls echte Kerzen vorgesehen sind
Soll bei einer Veranstaltung dennoch offenes Feuer eingesetzt werden, braucht es eine besonders sorgfältige Gefährdungsbeurteilung und geeignete organisatorische sowie brandschutztechnische Maßnahmen. Dabei sind die konkreten Vorgaben des Trägers, der Einrichtung und gegebenenfalls zuständiger Stellen zu beachten.
Eine einfache Regel hilft bei der Planung:
Je weniger offene Flammen sich unmittelbar in Kinderhand befinden, desto besser lässt sich das Brandrisiko kontrollieren.
Das gilt übrigens nicht nur für die Laternen selbst. Auch Feuerschalen, Fackeln, Kerzen und andere offene Lichtquellen auf dem Außengelände müssen in die Sicherheitsplanung einbezogen werden.
Ein sicherer Laternenzug beginnt lange vor dem Start
„Wir gehen dieselbe Runde wie jedes Jahr“ ist noch keine ausreichende Sicherheitsplanung.
Schau Dir den geplanten Weg möglichst vorher bei ähnlichen Lichtverhältnissen an. Denn eine Strecke, die am Nachmittag völlig unproblematisch wirkt, kann in der Dunkelheit ganz anders aussehen.
Achte insbesondere auf:
- Straßen und Straßenquerungen,
- schlecht beleuchtete Abschnitte,
- enge Gehwege,
- Treppen und Stufen,
- Baustellen,
- Unebenheiten und Stolperstellen,
- stark befahrene Bereiche,
- unübersichtliche Ein- und Ausfahrten,
- Gewässer oder andere besondere Gefahrenstellen.
Auch die Länge der Strecke sollte zur Altersgruppe passen. Ein Laternenumzug ist schließlich keine Wanderung. Besonders jüngere Kinder werden möglicherweise müde oder möchten irgendwann getragen werden.
Plane deshalb lieber eine überschaubare und gut kontrollierbare Strecke.
Wer läuft vorne und wer hinten?
Ein sicherer Zug braucht eine erkennbare Struktur.
Lege schon vor der Veranstaltung fest, welche Mitarbeitenden welche Aufgaben übernehmen. Sinnvoll ist eine Person an der Spitze des Zuges sein, während eine weitere den Abschluss bildet. Je nach Gruppengröße können zusätzliche Verantwortliche innerhalb des Zuges eingesetzt werden.
Kläre vorab:
Wer führt die Gruppe?
Diese Person kennt Strecke und geplante Stopps.
Wer bildet den Abschluss?
So kann besser erkannt werden, ob jemand zurückbleibt.
Wer behält besondere Stellen im Blick?
Vor allem Straßenquerungen oder unübersichtliche Bereiche benötigen besondere Aufmerksamkeit.
Wer hat Erste-Hilfe-Material und ein Mobiltelefon dabei?
Wer entscheidet bei einem Zwischenfall?
Solche Zuständigkeiten wirken zunächst vielleicht sehr formal. Im Ernstfall vermeiden sie aber Diskussionen und Zeitverlust.
Wichtig ist außerdem: Elternbegleitung ersetzt nicht automatisch die Aufsicht und Organisation durch die Einrichtung. Deshalb muss im Vorfeld eindeutig geklärt und kommuniziert werden, wie Aufsicht und Verantwortlichkeiten während der konkreten Veranstaltung geregelt sind.
Ein gut organisierter Laternenabend funktioniert besonders dann, wenn auch die Familien wissen, was von ihnen erwartet wird.
Die wichtigsten Informationen sollten deshalb vor der Veranstaltung schriftlich kommuniziert werden.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Treffpunkt und Uhrzeit,
- geplanter Ablauf,
- voraussichtliches Ende,
- gewünschte beziehungsweise vorgeschriebene Art des Laternenlichts,
- Hinweise zu geeigneter Kleidung und Schuhen,
- organisatorische Regeln für den Zug,
- Regelungen zur Begleitung und Aufsicht,
- Verhalten an Straßen und Übergängen,
- Ansprechpartner bei Fragen,
- Vorgehen bei schlechtem Wetter oder einer Absage.
Vermeide möglichst wichtige Sicherheitsregeln, die erst fünf Minuten vor dem Start zwischen Tür und Angel erklärt werden.

So sind die wichtigsten Punkte unmittelbar sichtbar.
Der letzte Sicherheitscheck vor dem Start
Bevor die erste Laterne leuchtet, lohnt sich ein kurzer gemeinsamer Check.
Lichter: Funktionieren alle Laternenlichter?
Kinder: Ist die Gruppe vollständig?
Verantwortlichkeiten: Wissen alle Mitarbeitenden, welche Position und Aufgabe sie übernehmen?
Strecke: Gibt es kurzfristige Veränderungen, etwa eine Baustelle oder eine andere Gefahrenstelle?
Kommunikation: Können sich die Verantwortlichen bei Bedarf verständigen?
Erste Hilfe: Ist die notwendige Ausstattung dabei und ist klar, wer im Notfall handelt?
Wetter: Sind Weg und Veranstaltung unter den aktuellen Bedingungen sicher durchführbar?
Diese wenigen Minuten können entscheidend dazu beitragen, dass aus guter Planung auch eine sichere Veranstaltung wird.
Sicherheit nimmt dem Fest nicht den Zauber
Brandschutz und Kindersicherheit bedeuten nicht, Kindern jeden Umgang mit besonderen Erlebnissen zu nehmen. Im Gegenteil: Gute Sicherheitsorganisation schafft einen Rahmen, in dem Kinder ihre Laternenzeit möglichst unbeschwert erleben können.
Das Ziel ist deshalb nicht, möglichst viele Regeln aufzustellen.
Das Ziel ist, vorhersehbare Risiken vorab zu erkennen und dort zu reduzieren, wo es sinnvoll und möglich ist.
Wenn elektrische Lichter eingesetzt werden, der Zugweg vorher geprüft wurde, Verantwortlichkeiten eindeutig feststehen und die Eltern rechtzeitig informiert sind, ist bereits viel erreicht.
Dann kann sich am Abend die Aufmerksamkeit wieder auf das richten, worum es eigentlich geht: auf aufgeregte Kinder, leuchtende Laternen und einen schönen gemeinsamen Herbstabend.
Deine Checkliste für die Martins- und Lichterzeit
Vor dem Fest:
☐ Gefährdungen und organisatorische Maßnahmen prüfen
☐ Zugstrecke festlegen und kontrollieren
☐ besonders kritische Wegstellen identifizieren
☐ Verantwortlichkeiten im Team verteilen
☐ Beleuchtung der Laternen festlegen
☐ Dekoration und Fluchtwege kontrollieren
☐ Erste Hilfe organisieren
☐ Eltern schriftlich informieren
☐ Vorgehen bei schlechtem Wetter festlegen
Unmittelbar vor dem Start:
☐ Vollständigkeit der Gruppe kontrollieren
☐ Laternenlichter prüfen
☐ Zuständigkeiten nochmals bestätigen
☐ aktuelle Situation auf der Strecke berücksichtigen
☐ Erste-Hilfe-Ausstattung und Kommunikationsmöglichkeit mitnehmen
Und dann: Lichter an und einen schönen, sicheren Laternenabend genießen.










